Ab ins Grüne mit Open Data

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Mittwoch, 13. Juni 2018

Ab ins Grüne mit Open Data

Mit naturtrip.org können Nutzer einfach und schnell klimaverträgliche Freizeitaktivitäten planen.

Das Wochenende steht vor der Tür. Sie möchten Kanufahren, einen Wellness-Tag verbringen, oder einen Kulturausflug machen? Aber welche Orte bieten sich dafür an, und vor allem, wie kommen Sie ohne Auto dort hin?

Statt durch langes Googlen viel freie Zeit in die Planung zu stecken, zeigt naturtrip.org solche Ausflugsziele an, die zu den Wünschen des Nutzers passen und sogleich einfach und schnell mit den öffentlichen Nahverkehrsmitteln erreichbar sind. Ein visuelles Routing gibt es noch dazu. Gefördert durch die Nationale Klimaschutz Initiative des Bundesumweltministeriums und des Zukunftlabors der Deutschen Bahn, nutzt naturtrip.org Open Data zur Vereinfachung von autolosem Reisen. Wir haben mit dem Geschäftsführer Herrn Herman Weiß über sein Start Up und offene Daten gesprochen.

Herr Weiß, kann man Open Data als Standortvorteil bezeichnen?

Ja, auf jeden Fall. Für unsere Anwendung sind wir auf die offenen Fahrplandaten angewiesen, weil wir die Rohdaten brauchen. Für uns ist es mittlerweile einfacher uns auf das europäische Ausland zu fokussieren, weil dort die Datenlage besser ist als in Deutschland.

Wie schätzen Sie die Entwicklung der Fahrplan-Daten-Öffnung in Deutschland ein?

Verbände wie der VBB (Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg), VRS (Verkehrsverbund Rhein-Sieg) oder der VGN (Verkehrsverbund Großraum Nürnberg) haben Vorreiterrollen angenommen. Es gibt diverse Initiativen, beispielsweise DELFI. Der Verein fordert die Harmonisierung von elektronischen Fahrplandaten. Dies ist auch für das Ticketing wichtig, denn so könnte man Tickets verbundsübergreifend nutzen. Das Einfachste wäre natürlich, wenn die Öffnung von Fahrplandaten von oben, also vom Landesverkehrsminister, vorgegeben würde.

Planen Sie eine Vernetzung mit anderen Anwendungen, wie komoot oder tripadvisor?

Es gibt die Absicht, auch Fahrradrouten mit den Fahrplandaten zu verknüpfen. Woher die Routen kommen, das liegt noch nicht ganz fest. Hier kann es eventuell zu einer Kooperation mit Anbietern wie komoot kommen. Wir konzentrieren uns derzeit auf unser Kerngeschäft und verkaufen naturtrip als White-Label-Lösung für Tourismus-Destinationen und Verkehrsverbünde in Europa. Dort sind wir dann eine Unterseite auf deren Website. Das funktioniert sehr gut. Die Tourismusregionen profitieren von uns, dadurch dass wir den Gästen auch die schönen Orte abseits der Hotspots gut näherbringen können, Stichwort Overtourism. Und durch uns werden junge urbane Zielgruppen erreicht, für die das Auto immer unwichtiger wird. Verkehrsverbünde bekommen über uns neue Kunden und eine gleichmäßigere Auslastung, denn Touristen sind ja zu anderen Zeiten unterwegs als die Pendler.

 

Interviewführerin: Lena Marie Erdt
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