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Hackday in Moers: Party der Datenjongleure

Gespeichert von Gast (nicht überprüft) am 25. März 2015
Schüler beim Hackday in Moers
Mittwoch, 25. März, 2015 – Interview mit dem Veranstalter Claus Arndt
Ein Wochenende lang stand eine kleine Stadt am Niederrhein ganz im Zentrum von Open Data. Beim Hackday in Moers wurde experimentiert, diskutiert, ausprobiert und entwickelt - mit Erfolg.
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Von: 
Katharina Matzke

Es war eine Premiere für Moers und sie war erfolgreich. Mehr als fünfzig Teilnehmer waren der Einladung zum ersten Moerser Hackday gefolgt. Schüler, Studenten, IT Unternehmer und Hacker aus ganz Deutschland haben gemeinsam mit den offenen Daten von Stadt und Land experimentiert, sich ausgetauscht und interessante Ergebnisse hervorgebracht. Claus Arndt, der Referent des Bürgermeisters für E-Government und Veranstalter des Hackdays im Interview mit Open.NRW.

Herr Arndt, Sie haben lange auf den Hackday hingefiebert. Wie zufrieden sind Sie?

Wir sind superzufrieden, sowohl die Bertelsmann Stiftung als Förderer des Projektes als auch wir als Veranstalter. Die Resonanz war überwältigend und hat bei Weitem das übertroffen, was wir uns in den kühnsten Träumen gedacht hätten. Wir hatten fünf Teilnehmer befürchtet und maximal dreißig erhofft. Dass es dann so voll wurde, das war schon toll. Auch die Spannbreite, was das Alter angeht, vom Siebtklässler bis zum Senioren war alles dabei. Das Wochenende  war zwar schlauchend, aber es war auch sehr inspirierend, sehr spannend und ich glaube, es hat allen Beteiligten Spaß gemacht.

Was wurde denn alles Spannendes entwickelt?

Da waren ein paar richtig tolle Projekte dabei, die auch jetzt im Nachgang noch weiter entwickelt werden. Ich habe gestern noch von Stefan Kaufmann, einem Coder aus Ulm, einen Screenshot geschickt bekommen zu einem Projekt, da ging es um die Visualisierung der Verkehrszähldaten aus den mobilen Verkehrszählungen, ganz toll, also für mich persönlich eines der Highlights. Die Verkehrszählungen, die wir kurz vorher noch veröffentlicht haben, sind direkt umgesetzt worden. Ein Projekt war die Visualisierung der Baustelleninfos. Das ist auch schon weit vorangeschritten.

Sie haben im Voraus dazu aufgerufen, eine Möglichkeit zu finden, den Haushalt der Stadt zu visualisieren. Was ist daraus geworden?

Eine Gruppe von ITlern, Codern und Studierenden arbeitet noch daran. Wenn ihnen das gelingt, wäre es ein riesiger Erfolg für unser Projekt „Open Data und Schule“. Im Rahmen des Projektes haben wir schon im letzten Jahr im Sozialwissenschaftsunterricht mit Schülern über den Haushalt gesprochen. Dazu wollten wir den Moerser Haushalt eigentlich mithilfe der Plattform „Open Spending“ grafisch veranschaulichen. Leider hat sich das als unmöglich erwiesen, denn die Datei, die wir als offene Daten anbieten, ist so komplex, dass sie nicht auf die von „Open Spending“ geforderten Formate passt. Am Ende mussten wir alles von Hand eingeben. Die Teilnehmer beim Hackday haben das als Herausforderung genommen. Ich bin sehr optimistisch, dass sie in den nächsten zwei Wochen ein System für die Visualisierung des Moerser Haushalts entwickeln. Dann müsste der Lehrer nur noch auf ein Knöpfchen drücken und könnte unsere Moerser Haushaltsdaten direkt auf der „Open Spending Plattform“ hochladen und damit grafisch veranschaulichen.

Wurde auch mit offenen Daten des Landes gearbeitet?

Ja, es gab zum Beispiel einen Teilnehmer, der schon vorher eine Moerser Wetter-App  gebaut hat. Jetzt hat er die Daten des Landesumweltamtes, die Feinstaubdaten, dafür genutzt.

Sind auch Teilnehmer an ihre Grenzen geraten? Oft gehen aus solchen Events ja konkrete Datenwünsche hervor.

Ja, es gab Ideenskizzen, die gar nicht weitergeführt worden sind, weil wir die Daten noch nicht zur Verfügung stellen. Jemand aus Duisburg hatte eine faszinierende Idee. Er wollte eine „Grüne-Welle-App“ bauen. Dazu braucht er aber die Daten aus unserem Verkehrsleitrechner mit den Ampelphasen und bestenfalls die Geodaten der Ampelstandorte und noch die Geschwindigkeitszonen innerhalb der Stadt. Das sind alles Daten, die wir jetzt noch nicht anbieten.

Können Sie ihm denn diese Daten zur Verfügung stellen?

Das wird nicht so einfach, da ein Teil der Aufgaben und damit auch Daten, an die städtische Tochter ENNI ausgelagert wurden. Außerdem liegen zwar zum Beispiel Geodaten der Ampeln vor, es wird aber nicht differenziert zwischen den Ampelarten, zum Beispiel gesonderten Linksabbiegerampeln. Das könnte also dauern.

Was hat das Wochenende gebracht, jenseits der Anwendungen, die entwickelt wurden?

Was mich ganz besonders gefreut hat, es wurde direkt am ersten Tag eine Initiative für einen „Code for Niederrhein“ gestartet, also Hacker aus der Region, die regelmäßige Treffen organisieren wollen, um mit offenen Daten nützliche Dinge zu machen. Ganz nach dem Vorbild „Code for Germany“  der Open Knowledge Foundation.
Was auch sehr schön war, dass wir hier die lokale Szene mal kennenlernt haben. Wer interessiert sich in Moers eigentlich für offene Daten oder wer kann programmieren. Klar, wir hatten über Twitter auch schon den einen oder anderen identifiziert, aber wir haben jetzt nochmal ganz neue Leute kennengelernt, aus allen möglichen Ecken. Dadurch können wir die Leute viel besser ansprechen oder mal einladen zu irgendwelchen Sachen.

Soll es denn eine Wiederholung des Hackdays geben?

Ja, als wir das angestrebt haben, war vorher schon klar, dass wir das gern zu einer Institution machen würden, wahrscheinlich als jährliches Event. Die Resonanz, die wir auch aus dem Teilnehmerkreis gekriegt haben, macht uns erst recht Mut, da noch mal anzusetzen. Da gibt es keine Zweifel, dass wir das wieder machen, da bin ich mehr als zuversichtlich.

Vielen Dank für das Interview!

Mehr zum Hackday

Video zum Hackday in Moers

Presseartikel

Offene Daten für kreative Cyberfreaks (RP Online) 

Zwei Tage für Hacker und Freaks im Moerser Rathaus (Der Westen)

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