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Viel Applaus für Open Government

Gespeichert von Gast (nicht überprüft) am 21. Mai 2015
Umweltminister Johannes Remmel
Donnerstag, 21. Mai, 2015 – Beschäftigtenworkshop im NRW-Umweltministerium
Open Government, das ist für viele aus der Verwaltung ein ganz neues Thema. Wie begeistert man die Kollegen dafür? Das Umweltministerium hat sich etwas einfallen lassen.
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Von: 
Katharina Matzke

„Jetzt schon den Kaffee auf?“ Daniel Hartmann blickt auf den Flyer in seiner Hand. Damit haben der Referatsleiter und sein Team die Kolleginnen und Kollegen aus dem Umweltministerium aufmerksam gemacht - auf einen Workshop, der ihnen die Idee von Open.NRW näher bringen soll. „Die Slogans sind bewusst provokant gewählt“, erklärt Hartmann. „Open.NRW bedeutet ein Stück weit Kulturwandel, da ist manch einer vielleicht auch etwas skeptisch. Wir wollen die Kollegen heute für diese Idee begeistern und ihnen zeigen, welche Vorteile Open Government mit sich bringt - für Bürgerinnen und Bürger aber auch für die Verwaltung selbst.“ Die Werbung hat sich gelohnt. Mehr als siebzig Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben sich für den Workshop angemeldet, fast alle Referate sind vertreten.

Die Hausspitze steht hinter Open.NRW

Um neun Uhr geht es los. Umweltminister Johannes Remmel begrüßt die Teilnehmer und es wird sofort klar, dass die Hausspitze voll und ganz hinter Open.NRW steht. „Die öffentliche Verwaltung muss Schritt halten mit der Dynamik, der Vernetzung und der Digitalisierung. Das kann auf längere Sicht auch zu großen Vorteilen bei der Bewältigung der Fachaufgaben führen. Mehr Onlinebeteiligung bietet zum Beispiel die Möglichkeit, die Öffentlichkeit schneller und umfangreicher über Projekte, Ziele und Alternativen zu informieren, auch um eventuelle Fehlplanungen zu vermeiden.“

Open.NRW im Speed Dating

Bürgerbeteiligung, Zusammenarbeit und Transparenz durch offene Daten. Was steckt hinter den drei Säulen der Open.NRW Strategie? Die Teilnehmer haben alle einen unterschiedlichen Wissenstand. Deshalb können sie sich erstmal untereinander austauschen - in einer Art Speed Dating. Jeder hat drei Minuten Zeit, seinem Gegenüber von seinen bisherigen Erfahrungen mit Open Government zu erzählen. Dann geht es einen Platz weiter. „ Ich habe früher in der Energieberatung gearbeitet“, erzählt Referentin Gabriela Siekmann. „Dort haben wir häufiger Veranstaltungen in Schulen und Stadtteilen durchgeführt.“

Umweltministerium kann auf Erfahrungen aufbauen

Tatsächlich fängt das Umweltministerium in Bezug auf Open Government nicht bei Null an. „Wir haben sehr viele Außenkontakte und können auf diese Erfahrungen in der Partizipation und in der Zusammenarbeit mit den Bürgerinnen und Bürgern zurückgreifen“, sagt Minister Remmel. „Außerdem haben wir schon immer einen großen Vorrat an Daten bereitgehalten.“
Darauf aufzubauen ist ganz wichtig, findet auch Bernhard Krabina vom Zentrum für Verwaltungsforschung (KDZ). Er hat das Open Data Portal der Stadt Wien mit aufgebaut und gibt den Mitarbeitern des Umweltministeriums ein paar nützliche Tipps. „Man sollte erstmal nach den tief hängenden Äpfeln greifen und die Daten zu Open Data machen, die schon öffentlich sind, also Lizenzen prüfen, Maschinenlesbarkeit gewährleisten und Metadaten, also quasi Überschriften für die einzelnen Datensätze erstellen.“ Ein interessanter Hinweis auch für Dr. Ulrich Sydlik, Referent im Bereich Umweltmedizin. „Ich betreue eine Datenbank zu gefährlichen Stoffen, davon sind neunzig Prozent bereits öffentlich, nur eben noch nicht als Open Data.“

‚Digital Immigrant‘ zeigt, wie Zusammenarbeit im Naturschutz geht

Inspiration, wie man Open Government in seinen Arbeitsbereich integrieren kann, bekommen die Teilnehmer auch durch den Vortrag von  Dr. Dirk Hinterlang. Der Fachbereichsleiter im Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) bezeichnet sich nämlich selbst als ‚Digital immigrant‘, hat aber kürzlich eine komplette Internetplattform zur Zusammenarbeit mit Naturschutzinteressierten auf die Beine gestellt. Darauf können sie ihre Beobachtungen zu Arten- und Biotopschutz zusammentragen, in Chatrooms diskutieren und sich in Wikis und Blogs zum Thema informieren. „Wenn man sich einmal in die Apps und Tools eingearbeitet hat, ist das gar nicht so schwer“, sagt Hinterlang.

Daten der Woche im Intranet

So interaktiv wie die Projekte sein sollen, ist auch der Workshop selbst. So können die Teilnehmer ihre Ideen und Gedanken zu Open Government in kleinen Gruppen diskutieren. Von allgemeinen Überlegungen, wie man die Qualität der Antworten bei Onlineumfragen sicherstellen kann, bis hin zu einer Rubrik mit den interessantesten „Offenen Daten der Woche“ im Intranet, gehen daraus viele Vorschläge hervor. „Es war eine bewegende Veranstaltung, kurzweilig, interessant und  informativ“, freut sich Daniel Hartmann. „Jetzt hoffe ich, dass bald viele konkrete Projektideen für offene Daten, Bürgerbeteiligung und Zusammenarbeit folgen.“ Eines jedenfalls hat der Open.NRW Beauftragte für das Umweltministerium heute schon erreicht: Obwohl so manche Tasse getrunken wurde, bei Open Government sagt keiner der Kollegen „Ich hab den Kaffee auf.“