Die erfolgreichsten Kooperationsprojekte 2015

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Montag, 12. Oktober 2015

Die erfolgreichsten Kooperationsprojekte 2015

Das Geonetzwerk.metropoleRuhr

Auch dieses Jahr wurde in verschiedenen Kategorien der 14. eGovernment Preis verliehen. Ausgezeichnet werden im Raum Deutschland, Österreich und der Schweiz innovative und richtungsweisende Projekte. Ausgerichtet von dem Technologieanbieter cisco und der Unternehmensberatung bearingpoint findet der eGovernment Wettbewerb bereits seit 13 Jahren statt. In acht verschiedenen Kategorien können Interessierte ihre Projektskizze, eine Projektbeschreibung oder ein Gesamtkonzept zur Beurteilung einreichen. Dieses Jahr hat in der Kategorie „Erfolgreichstes Kooperationsprojekt 2015“ das Geonetzwerk.metropoleRuhr den dritten Platz erreicht. Frau Kaufmann vom Geonetzwerk.metropoleRuhr berichtet im Interview über das Netzwerk. 

Jeden Tag werden in den Kommunen umfangreiche Daten gesammelt - egal ob Wetterdaten, Daten über die Verkehrssituation oder Einwohnerstatistiken. Diese Daten sind jedoch oftmals nicht für Bürgerinnen und Bürger frei zugänglich. Das Geonetzwerk.metropoleRuhr hat sich dieser Situation angenommen und in einem Netzwerk von 16 Mitgliedern ihre Geodaten auf einem Portal gebündelt.

Bereits seit mehreren Jahren findet in der Metropole Ruhr eine Geodatenkooperation statt. 2013 kam es dann zum Startschuss des Geonetzwerk.metropoleRuhr in Form der Kooperationsvereinbarung "Interkommunale Zusammenarbeit zur Bereitstellung und Nutzung von regionalen Geoinformationen". Gemeinsam mit dem Regionalverband Ruhr haben elf der kreisfreien Städte und vier der Kreise in der Region sich zum Ziel gesetzt, Geodaten aus den Kommunen und Kreisen der Region zentral auf einem Portal bereitzustellen.  

Im Fokus des Netzwerkes stehen unter anderem der Austausch zwischen den Partnern, gemeinsame Projekte zur Entwicklung innovativer Lösungen und die Schaffung von einem öffentlichen Bewusstsein für die vielfältige Anwendung von Geodaten. So werden regionale Geodaten hervorgehoben und Synergieeffekte durch die Fachkompetenzen der Mitglieder und ihrer Ressourcen erzeugt.

Frau Kaufmann, herzlichen Glückwunsch zum 3. Platz beim eGovernment Wettbewerb. Können Sie uns kurz mitteilen, was es mit dem Geonetzwerk.metropoleRuhr auf sich hat?

Das Geonetzwerk.metropoleRuhr ist ein Kooperationsprojekt im Verbandsgebiet des Regionalverbandes Ruhr (RVR) im Bereich der Geoinformation. Die 11 kreisfreien Städte und 4 Kreise arbeiten gemeinsam mit dem RVR daran Geodaten mit regionaler Bedeutung zu erschließen, gemeinsam bereitzustellen und für interne und öffentliche Anwendungen nutzbar zu machen.

Das Geonetzwerk.metropoleruhr möchte eine regionale Sichtweise, insbesondere in Bezug auf Geodaten, fördern und dazu Daten des Verbandes, wie kommunale Geodaten als Informationsgrundlage einbeziehen. Somit können  kommunale Aufgaben mit regionalen Fragestellungen auf den Gebieten Umwelt, Planung, Tourismus oder Wirtschaft unterstützt werden. Kommunen und Kreise im Verbandsgebiet des RVR tauschen sich gemeinsam über die Erfüllung gesetzlicher Aufgaben im Rahmen von nationaler und internationaler GDI-Projekte (z. B. INSPIRE1, Geodatenzugangsgesetz NW, NDGB Deutschland2) aus, erarbeiten Handlungsleitfäden und Projektlösungen. Die gesetzlichen Aufgaben des RVR andererseits werden durch die Bereitstellung der notwendigen Basis an Geodaten durch Kommunen und Kreise unterstützt.

Seit Dezember 2013 haben sich die Mitglieder durch Unterzeichnung einer Kooperationsvereinbarung gemeinsam für die Dauer von zunächst 3 Jahren zur Erreichung folgender Projektziele zusammengeschlossen:

  1. Schaffung eines Netzwerkes zum Austausch bzw. zur Bereitstellung von Geoinformationen unter Verwendung der OGC-Standards im Sinne der Geodateninfrastruktur Deutschland und von INSPIRE.
  2. Gemeinsame Projekte zur Entwicklung innovativer Lösungen für die Bereitstellung und Nutzung von Geoinformationen.
  3. Die Schaffung von öffentlichem Bewusstsein für die vielfältigen Anwendungsbereiche von Geoinformationen.
  4. Aufbau und Betrieb eines gemeinsamen Geoportals.
  5. Kooperation mit anderen Geonetzwerken und sonstigen regional relevanten Kooperationen.

Worauf sind Sie besonders stolz?

Wir sind auf mehrere Punkte unserer Arbeit besonders stolz.

In erster Linie freuen wir uns, dass wir gemeinsam für ein Ziel arbeiten und so der Begriff „Wissenstransfer und Kooperation in der Metropole Ruhr“ tatsächlich aktiv gelebt wird. Das Engagement aller Beteiligten wird durch fassbare Arbeitsergebnisse deutlich. Das Geoportal, welches bereits erste Daten der Region enthält, ist eines davon. Die Bebauungsplanübersicht Metropole Ruhr, die voraussichtlich Ende des Jahres für die Öffentlichkeit zugänglich ist, zeugt ebenfalls von diesem regionalen Engagement, welches sich nicht nur auf die Fachämter für Geoinformation erstreckt, sondern auch andere kommunale Fachbereiche umfasst.

Neben der Kooperation untereinander ist uns ebenfalls die gute Zusammenarbeit mit dem Land Nordrhein-Westfalen sehr wichtig. Ein erfolgreicher Aufbau von Geodateninfrastrukturen (GDIen) ist darauf angewiesen, nicht nur eine horizontale Vernetzung herbeizuführen, sondern hierarchie- und ebenenübergreifend ineinander überzugreifen, dies ist uns durch die aktive Beteiligung des Ministerium für Inneres und Kommunales NRW bisher sehr gut gelungen.

Ein Ergebnis und eine Anerkennung unserer Leistungen war natürlich der 3.Preis beim eGovernment Wettbewerb. Dieser renommierte Preis, der im gesamten deutschsprachigen Raum verliehen wird, hat uns im Bereich „erfolgreichstes Kooperationsprojekt 2015“ ausgezeichnet.

Wie kam das Geonetzwerk metropoleRuhr zustande?

Erste Ideen für das Netzwerk sind bereits im Jahr 2010 aufs Papier gebracht worden. In diesem Jahr beauftragte die Verbandsversammlung der Metropole Ruhr die Verwaltung zu prüfen, welche Potenziale eine interkommunale Zusammenarbeit auf dem Gebiet des Vermessungswesens bereit hält. Im Dezember 2012 beschloss die Verbandsversammlung nach Prüfung eines zuvor extern vergebenen Gutachtens die Einrichtung des Geonetzwerkes. Ende 2013 wurde daraufhin von den 16 Geonetzwerkmitgliedern eine zuvor gemeinsam erarbeitete Kooperationsvereinbarung geschlossen, die im Wesentlichen die Ziele und die Organisation des Netzwerkes festhält. Seit 2014 ist die Geschäftsstelle beim Regionalverband Ruhr angesiedelt.

Findet ein Austausch mit anderen Netzwerken statt? Wenn ja, mit welchen?

Ein wichtiges Ziel des Geonetzwerkes ist die Kooperation mit relevanten Partnern in der Region sowie Geonetzwerken und Geodateninfrastrukturen in NRW. Neben bereits bekannten Kontakten zu Einzelnen aus den Netzwerken, beispielsweise durch unsere veranstalteten Informationsworkshops, ist für Oktober diesen Jahres ein gemeinsamer runder Tisch anberaumt. Dieser wird eine gemeinsame Austauschplattform u.a. mit den Geonetzwerken Münsterland, der GDI Ostwestfalen-Lippe, der GDI Südwestfalen, der GDI Niederrhein und geobusiness Bonn bieten. Darauf freuen wir uns bereits sehr, da die Fragestellungen, mit denen wir uns beschäftigen, nicht nur für unsere Metropolregion sondern für ganz NRW und ebenfalls auch bundes- wenn nicht sogar EU-weit eine Rolle spielen. Daher nutzen wir die Chance regelmäßig, um über den Tellerrand hinaus zu blicken. Beispielsweise hatten wir im September dieses Jahres einen Gast aus der GDI Bayern, der uns in einer Veranstaltung über die Bauleitplanübersicht in Bayern berichtete. Auch das Land Österreich, vertreten durch das Magistrat Wien hat uns das interessante Projekt basemap.at im August dieses Jahres vorgestellt, eine Verwaltungsgrundkarte, die unter der Creative Commons Lizenz frei zur Verfügung, steht.

Können auch andere Kommunen oder interessierte Verbände dem Netzwerk beitreten?

Im Sinne des „Netzwerken“ ist das Geonetzwerk offen für neue Kontakte und begrüßt das Engagement weiterer möglicher Partner. Die gemeinsame Kooperationsvereinbarung ermöglicht es anderen Interessierten bisher einen „Gaststatus“ zu erlangen. Eine Entscheidung, ob diese ständiges Mitglied werden, obliegt entsprechend der Organisationsstruktur der Mitgliederversammlung des Netzwerkes.

Über welche Daten verfügt das Portal?

Das Portal https://geonetzwerk.metropoleruhr.de/ hält neben aktuellen Orthophotos, dem Stadtplanwerk Ruhrgebiet und den Points of Interest (POIs) insbesondere Daten aus dem Bereich Umwelt, wie Klimadaten, vor, die öffentlich für alle Interessierten aufrufbar sind. In naher Zukunft wird die Bebauungsplanübersicht MetropoleRuhr verfügbar sein. Daneben gibt es einen großen Bereich „sensibler“ Daten, die nur den Geonetzwerkmitgliedern vorbehalten sind und insbesondere die tägliche Verwaltungsarbeit erleichtert. Das Portal versteht sich als Bündelung von kommunalen Daten, erreichbar über die bereits vorhandenen Geoportale sowie regional bedeutsamer Daten, die durch das Land NRW oder durch den Bund bereitgestellt werden. Ziel wird es sein Informationen so aufzubereiten, dass die Öffentlichkeit aber auch die Wirtschaft, beispielsweise vertreten durch die IHKen, auch einen großen Nutzen aus diesen ziehen kann.

Können Sie uns Beispiele nennen wie die Daten genutzt werden?

Erfahrungen in welcher Form die Daten genutzt werden liegen uns nur durch Erfahrungen aus gemeinsamen Gesprächen vor, insbesondere die Points of Interest und intern die Bebauungsplanübersicht, die sich derzeit im Aufbau befindet, sind vom besonderen Interesse für die Nutzer. Die Besucherzahlen des Geoportals steigen kontinuierlich, besonders von Interesse waren in dem letzten Monat auch die Luftbilder und Orthophotos, da die Veröffentlichung auch von historischen Luftbildern durch den Regionalverband Ruhr ein Novum war. Die Dienste können bereits heute in andere Portale eingebunden werden.

Können Sie bereits einen Trend erkennen, welche Daten für Bürgerinnen und Bürger besonders von Interesse sind?

Der Begriff Bürger ist weit gefasst. Wir denken, dass neben fachlich versierten Geodateninteressierten auch internetkundige Bürger das Portal nutzen werden, um Freizeitinformationen abzurufen und/oder sich über Planungen in der Region zu informieren. Stichworte wie Partizipation und Bürgerbeteiligung können durch unser Portal mit Leben gefüllt werden, da durch dieses eine transparente Information für alle möglich wird, ohne verschiedene Seiten im Netz aufrufen zu müssen. Zudem werden auf Karten Informationen schneller fassbar und mit anderen Themen verknüpfbar.

Verfolgen Sie in Ihrer Zusammenarbeit eine bestimmte Strategie?

Offenheit ist unsere beste Strategie. Der Regionalverband Ruhr und die Kommunen kooperieren in offener Weise miteinander. In gemeinsamen Arbeitskreisen treffen wir uns regelmäßig und arbeiten an Lösungen, dabei bringt jeder sich in seinem Rahmen ein. Die Federführer in bestimmten Sachgebieten geben ihr Wissen offen weiter, damit die anderen davon profitieren können. Da regional unterschiedliche Schwerpunkte vorhanden sind, ist es ein ständiges Geben und Nehmen: kurz gesagt eine gute und erfolgreiche Kooperation!

Welchen Herausforderungen müssen Sie sich in der Zusammenarbeit stellen?

Die gegenseitige Schwerpunktsetzung macht eine Priorisierung von gemeinsam zu bearbeitenden Aufgaben notwendig. Es gibt viele Dinge die angestoßen werden können oder weiter bearbeitet werden müssen: beispielsweise eine gemeinsame Vereinbarung auf Lizenzmodelle, die Frage welche Geodaten offen zur Verfügung gestellt werden und die Herausforderungen, die mit dem E-Governernment Gesetz auf uns zukommen. Hier ist eine enge Abstimmung nicht nur untereinander, sondern vor allem auch mit dem Land Nordrhein-Westfalen notwendig. Unsere begrenzten Ressourcen gilt es hier an den richtigen Stellen einzusetzen und so den größtmöglichen Gewinn aus unserer Kooperation zu schöpfen.

Vielen Dank für das Gespräch!

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