Europe goes Open Data

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Donnerstag, 30. April 2015

Europe goes Open Data

Open Data Portal der EU-Kommission startet im November

Wer in Europa nach offenen Daten sucht, muss sich mühsam durch sämtliche Portale der Mitgliedsländer klicken. Ab November ist das nicht mehr nötig. Dann startet das EU-weite Open Data Portal, ein vielversprechendes Projekt, auch für Unternehmen in Nordrhein-Westfalen.

Wir fahren von Deutschland über Frankreich nach Spanien und unser Navigationssystem zeigt uns trotzdem den richtigen Weg an. Mit der Stau-App sind wir auch im Ausland noch über Dauerbaustellen und Großveranstaltungen informiert und am Zielort angekommen lassen wir uns bequem die Infos zu Banken, Ärzten und Sehenswürdigkeiten anzeigen. Mehrere Apps und auch Navigationssysteme bauen auf offenen Daten der Länder und Kommunen auf. Für die Unternehmen haben die Open Data Portale den Vorteil, dass sie die Daten dort ohne großen Aufwand finden und in der Regel kostenfrei nutzen können. Mittlerweile haben 21 der 28 EU-Mitgliedstaaten ein Open Data Portal oder ein vergleichbares Angebot. Regelmäßig sind sie allerdings nur in der entsprechenden Landessprache verfügbar. Das neue EU-weite Open Data Portal, das im November mit einer ersten Version an den Start gehen soll, fasst erstmals die offenen Daten europäischer Länder zusammen und macht Informationen in allen 24 Amtssprachen der Europäischen Union zugänglich. „Damit haben Unternehmen einen zentralen Zugang zu einem wachsenden Datenbestand von Institutionen  und Einrichtungen der EU", sagt Elisabeth Slapio, Federführerin E-Government für die Industrie- und Handelskammern in Nordrhein-Westfalen. „Wir hoffen, dass das sowohl eine wettbewerbsfördernde Funktion hat, als auch neue Produkte und Dienstleistungen zulässt."

Daten aus 39 europäischen Ländern

Bereits zum Start will die EU-Kommission rund 85000 Datensätze anbieten. Ziel ist es, dass irgendwann die Regierungs- und Behördendaten aus 39 europäischen Ländern allen Bürgerinnen und Bürgern der Gemeinschaft zur Verfügung stehen. Dafür hat die EU-Kommission im Februar ein internationales Konsortium beauftragt, darunter Fraunhofer Fokus, die für die Entwicklung wesentlicher Kernkomponenten verantwortlich sind, und das Unternehmen con terra aus Münster, das sich vorwiegend um Geodaten kümmert.

Metadaten als Linked Open Data

Die Daten auf dem europäischen Portal sollen sowohl aus technischer Sicht (Maschinenlesbarkeit) als auch aus rechtlicher Sicht (offene Datenlizenz) offen sein. „Um die Datenbereitsteller zu unterstützen, haben wir extra Mechanismen zur Überprüfung der Datenqualität eingerichtet“, erklärt Jens Klessmann, Open Data Experte bei Fraunhofer Fokus. „So werden die Metadaten, also die Beschreibungen der einzelnen Datensätze aus den verschiedenen Ländern, automatisch auf ihre Qualität und Einheitlichkeit hin überprüft.“ Außerdem ist geplant, die Metadaten an zentraler Stelle als „Linked Open Data“ anzubieten. Mit „Linked Data“ wird die Veröffentlichung möglichst strukturierter Datenbestände bezeichnet, die eine Verlinkung mit weiteren Datenbeständen vereinfacht. Darauf aufbauend kann beispielsweise ein System bei einem Datensatz mit der Beschreibung ‚Geburtenzahlen in Bremen‘ automatisiert erkennen, ob hier ein Schiffs-, Familien- oder der Stadtname gemeint ist. Das kann die gezielte Suche und Weiterverwendung von Datensätzen für die Nutzer deutlich vereinfachen.
Neben dem Datenregister soll das europäische Open Data Portal auch einen redaktionellen Anteil bekommen. In einem englischsprachigen Editorial werden aktuelle Nachrichten rund um das Portal aber auch andere Neuigkeiten aus der Open Data Welt veröffentlicht.

Experimentierplattform liefert Grundlage

Bereits 2013 ist im Rahmen einer EU-Förderung von Forschungsprojekten eine erste Experimentierplattform gestartet. Unter publicdata.eu steht bereits eine Vielzahl von Datensätzen verschiedener Mitgliedstaaten online. „Aus der Experimentierplattform haben wir viele Erfahrungen gezogen, was die technische Umsetzung eines europäischen Open Data Portals angeht, insbesondere das Zusammenspiel unterschiedlicher technischer Lösungen. Darauf können wir jetzt aufbauen“, sagt Malte Beyer-Katzenberger, Referent bei der EU-Kommission. Auch wurde schon ein Bestand weitgehend harmonisierter Metadatensätze für 85000 Datensätze geschaffen. Jetzt ist es Aufgabe des internationalen Konsortiums, eine stabile Plattform zu schaffen, mit der Regierungs- und Behördeninformationen aus allen EU-Mitgliedstaaten aus einer Hand zugänglich gemacht werden. Die Besonderheit: Mit Hilfe von Maschinenübersetzung werden in einem zweiten Schritt auch die Metadatenbeschreibungen in allen EU-Amtssprachen verfügbar sein.

Open Data Portal birgt großes wirtschaftliches Potential

Eine weitere wichtige Aufgabe des Konsortiums ist es, in den europäischen Ländern ein Bewusstsein für das Thema ‚Open Data‘ zu schaffen und ihnen Hilfestellung anzubieten. „Wir richten zum Beispiel einen Assistenten für Datenlizenzen ein“, erklärt Jens Klessmann von Fraunhofer Fokus. Die Datenbereitsteller können dort ihre Anforderungen eingeben und erhalten eine Empfehlung, welche Lizenzangaben für sie am besten geeignet sind. „Um das Thema weiterzuentwickeln, sind wir angewiesen auf die Entwicklung in den Mitgliedstaaten.“
Das bestätigt auch Malte Beyer-Katzenberger. „Wir hoffen, dass wir mit dem europäischen Portal immer mehr Länder motivieren können, offene Daten anzubieten und wollen ihnen helfen, sie einem möglichst breiten Entwickler- und Verwenderpublikum zur Verfügung zu stellen, damit Apps ungeachtet möglicher Sprachbarrieren entwickelt werden können.“ Der Referent der EU-Kommission sieht ein großes wirtschaftliches Potential in dem europäischen Open Data Portal. „Wir glauben, dass die Anwendungen neue Arbeitsplätze und zusätzliche Steuereinnahmen generieren werden und diese zusätzlichen Steuereinnahmen werden die Verluste bei den Behörden in Form von fehlenden Gebühreneinnahmen bei weitem übertreffen.“ Er rechnet mit einem Mehrwert von mindestens zehn Milliarden Euro.

Wie bringt man Datenbereitsteller und Nutzer zusammen?

Dabei sieht Malte Beyer-Katzenberger allerdings noch einen Punkt, an dem ganz klar gearbeitet werden muss. „Wir brauchen dringend innovative Ideen, um die Datenbereitsteller und die Nutzer besser miteinander zu verknüpfen.“ Leute zusammenbringen, die Daten anbieten und die Daten suchen, das will auch Elisabeth Slapio von den Industrie- und Handelskammern Nordrhein-Westfalen. „Wir beobachten die Entwicklung von Open Data sowohl auf der europäischen Ebene als auch auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene. Dabei sehen wir es als eine unserer Aufgaben, durch Aufklärung und Vorstellung von sogenannten Best-Practice-Anwendungen Potentiale zu aktivieren. Insbesondere kleinen und mittelständischen Unternehmen fehlt sehr häufig noch der Zugang zu dieser Welt."

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