Offene Daten und dann?

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Dienstag, 20. Oktober 2015

Offene Daten und dann?

Ein Beitrag zum Datenjournalismus

Überall im Alltag werden Daten gesammelt, die uns mal mehr und mal weniger aufbereitet begegnen - egal ob Einwohnerstatistiken oder Verkehrsdaten zu Baustellen und Busfahrpläne. Diese immensen Datensätze wirken in ihrer Rohform unüberschaubar und einschüchternd. Der Datenjournalismus versucht diese vielfältigen Datensätze anschaulich und informativ für jedermann darzustellen.

Warum Daten visuell umsetzen? Rohdaten sind in ihrer unüberschaubaren Masse für die wenigsten lesbar. Daten können jedoch gesellschaftliche Phänomene erklären. Durch die wachsende Verfügbarkeit von Informationen, besonders von offenen Daten, können Journalisten diese Informationen mit geeigneter Software für die Öffentlichkeit aufbereiten und verarbeiten. Durch die visuelle Umsetzung der Daten kann eine Geschichte entstehen und erzählt werden. Datenjournalisten bringen verschiedene Datensätze in Verbindung, damit für die Leserinnen und Leser ein Mehrwert entsteht. Sie helfen aber auch Journalisten bei der investigativen Recherche.

Datenvisualisierung auch ohne Internet

Auch bereits vor dem digitalen Zeitalter wurden Daten analog aufbereitet. Die britische Krankenschwester Florence Nightingale wollte im 19. Jahrhundert die Situation der erkrankten Soldaten während des Krimkriegs verbessern. Nightingale sammelte Daten und stellte die Todesursachen der gefallenen Soldaten grafisch dar. Durch ihr gesammeltes Wissen und ihren Einsatz ging die Sterblichkeitsrate zurück.

Heutzutage müssen die Daten nicht händisch gesammelt werden, sondern stehen in einer breiten Masse digital und offen zur Verfügung. Deshalb können sie klassische Texte um interaktive Grafiken und multimediale Anwendungen bereichern. Klassische Beispiele des Datenjournalismus sind Testberichte und Wahlgrafiken.

Die Vorreiter

Weltweite Vorreiter im Datenjournalismus sind die amerikanische New York Times und der britische Guardian. In ihrer Rubrik „Grafik der Woche“ veröffentlicht beispielsweise auch die Süddeutsche Zeitung interaktive Grafiken zu bunten Themen: Egal ob die Zensus-Ergebnisse oder den Zeitplan des Oktoberfests. Das Zeitmagazin zum Beispiel machte sich zusammen mit internationalen Datenjournalisten und Grafikern Gedanken zum schönsten Gefühl der Welt: Sie fragten sich, wie Liebe sich grafisch darstellen lässt.

Auch regionale Zeitungen und Medienhäuser, wie die Ruhrnachrichten, der WDR oder der General-Anzeiger aus Bonn sind im Datenjournalismus aktiv und bieten ihren Leserinnen und Lesern interaktive Grafiken.

Ein Katalog gibt Übersicht

Im Katalog für Data Driven Journalism lassen sich eine Vielzahl an datenjournalistischen Projekten aus dem deutschsprachigen Raum finden. Der Katalog wurde von webkid und Dacosto 2014 entwickelt und wird regelmäßig aktualisiert.

Die interaktiven Anwendungen haben eins gemein: Sie sollen den Leserinnen und Lesern schnell, bunt, visuell und interessant Daten, Geschichten, Phänomene und Geschehnisse veranschaulichen, die sonst womöglich nicht genug Beachtung finden würden. Als bloßer Fließtext wären diese Informationen und Daten nicht annährend so ausdrucksstark. Genau das ist das Besondere am Datenjournalismus - durch die multimediale Aufbereitung werden komplizierte Informationen leichter und verständlicher dargestellt.

Das Handbuch zum Datenjournalismus

Zusammen mit engagierten Journalisten, Designern und Entwicklern hat das European Journalism Centre (EJC) zusammen mit der Open Knowledge Foundation das Handbuch Datenjournalismus herausgebracht. Die Idee wurde 2011 bei einem Workshop geboren. Was als kleine Idee begann, wurde schnell zu einem internationalen Projekt. Unter anderem sind bis heute involviert: die Australien Broadcasting Corporation, die BBC, die Chicago Tribune, die Deutsche Welle, der Guardian, die Financial Times, die Helsingin Sanomat, La Nacion, die New York Times, ProPublica, die Washington Post, die Texas Tribune, Verdens Gang, die Wales Online, die Zeit Online und viele mehr.

Das Handbuch stellt den Datenjournalismus vor und gibt einige Beispiele, wie Journalisten Daten nutzen können, um ihre Geschichten zu veranschaulichen. Die verschiedenen Schritte von offenen Daten bis zur Veröffentlichung interaktiver Grafiken werden an Hand von Beispielen beschrieben. Unter anderem sind im Handbuch auch verschiedene Best-Practice-Beispiele aus der ganzen Welt enthalten.

Mittlerweile ist das Handbuch in mehreren Sprachen erhältlich und ganz nach dem Gedanken der Datenjournalisten und Open Source-Verfechter online frei unter der Creative Commons Lizenz erhältlich.

Stammtisch Datenjournalismus NRW

In Berlin und Hamburg gab es bereits einen Austausch zwischen Datenjournalisten in Form eines Stammtisches. Dort gab und gibt es den Stammtisch DDJHH (Data Driven Journalism in Hamburg) und den Stammtisch DDJ Berlin (Data-Driven-Journalism Berlin).Journalist Rainer Striewski gründete daraufhin den Stammtisch für Datenjournalismus in Nordrhein-Westfalen DDJNRW (Data-Driven-Journalism in NRW). Später wurde auch ein Datenjournalisten-Stammtisch in München gegründet.

Das erste Treffen des DDJNRW fand im Juli 2013 statt. Über 30 Interessierte kamen zusammen, um sich über Datenjournalismus zu informieren und auszutauschen. Nach dem ersten Treffen fanden die weiteren Treffen im Rhythmus von drei Monaten, bei verschiedenen Medienhäusern in der Region oder auch in öffentlichen Behörden, statt. Manchmal war der Redebedarf so hoch, dass die Treffen monatlich abgehalten wurden.

Bei DDJNRW treffen sich verschiedene Datenjournalisten aus den Bereichen Print, Online und Hörfunk, um sich über aktuelle Projekte bzw. Entwicklungen auszutauschen. Zwischen beinahe fünf und 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer nehmen an den Treffen teil. Ausgetauscht wird sich zudem über ein Wiki, eine Mailingliste und per Twitter. Gemeinsam wollen die Interessierten den Datenjournalismus in NRW voranbringen.

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