Open Data für meine Stadt: Bonn

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Donnerstag, 7. Mai 2015

Open Data für meine Stadt: Bonn

Serie: Die Open Government Strategien der Kommunen in NRW

Wo finde ich barrierefreie Parkplätze, wie viele Sportplätze gibt es und welche Vornamen sind in meiner Stadt der Renner? Viele spannende Daten werden von den Kommunen gesammelt und immer mehr Städte bieten diese Daten als Open Data an. In unserer Serie stellen wir sie vor: die Open Data Vorreiter.

Open Data ist in Bonn nicht aus dem Nichts geboren. Schon vor dem Start des Open Data Portals hat die Stadt diverse Daten aus der Verwaltung veröffentlicht. In einem zweiten Schritt wurden diese Daten dann unter eine Open Data Lizenz gestellt. Am 30. Januar 2014 hat der Stadtrat die Leitlinien Open Government Data (OGD) beschlossen. Das war der Startschuss für das Open Data Portal, das am 28. Mai 2014 online gegangen ist. Das Team bildet sich aus der Koordinationsstelle im Amt für IT und Organisation und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Verwaltung, insbesondere aus dem Bereich des Kataster- und Vermessungsamtes. Ein Interview mit Sven Hense, Projektgruppenleiter eGovernment der Stadt Bonn:

Warum haben Sie sich als Kommune zu Open Government bekannt?

Open Government bietet enorme Chancen und Mehrwerte für die Stadtgesellschaft und - was leider noch gar nicht im Fokus steht - für die Verwaltung selbst. Gerade vor dem Hintergrund fortschreitender Sparzwänge und Haushaltssicherungsmaßnahmen ist ein frühzeitiger Austausch zwischen Politik, Stadtgesellschaft und Verwaltung für nachhaltige Entscheidungen notwendig. Zudem ist die Erwartungshaltung gegenüber der Verwaltung im Wandel. Reichte in den letzten Jahren eine einfache Darstellung allgemeiner Informationen im Internet von Behörden aus, so werden heute Verwaltungsleistungen, beispielsweise in den politischen Gremien, im Detail immer mehr hinterfragt. Auf Dauer ist es nicht ausreichend, Informationen nach überholten Denkmustern eines Hoheitswissens zu veröffentlichen. Mit Open Government Hinweise aufzunehmen, Ideen, Anregungen gemeinsam zu diskutieren und die gewonnenen Entscheidungsgrundlagen in den politischen Gremien einzubringen, sind sehr lohnenswerte Zukunftsinvestitionen als Bestandteil einer digitalen Stadt (Smart City).

Welche Strategie verfolgen Sie mit Ihrem Portal?

Die Stadt Bonn setzt bereits für die Open Government Module Transparenz, Partizipation und Kooperation anwenderorientierte Plattformen ein. Auf dem Open Data Portal stellen wir die offenen Daten der Stadt zur Verfügung, auf unserer Plattform „Bonn macht mit“ haben wir sämtliche Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung gebündelt und über das Portal „Bürgeranliegen Bonn“ , können Bürgerinnen und Bürger Mängel wie Grünüberwuchs, defekte Laternen oder wilde Müllkippen melden. Basis hierfür sind die entwickelten und politisch beschlossenen Leitlinien zur Bürgerbeteiligung und Open Data.
Speziell zu Open Data haben wir aktuell das Projekt Social Open Data gestartet. So können neben den Verwaltungsdaten künftig auch Datenbestände der Stadtgesellschaft, zum Beispiel aus Studien oder wissenschaftlichen Ausarbeitungen mit Bezug zu Bonn für Open Data bereitgestellt werden. Vorstellbar wäre auch, dass eine Schulklasse mithilfe einer App gemeinsam Geodaten sammelt. Wenn jemand interessante Daten hat, die er veröffentlichen möchte, kann er sich gern an uns wenden. Voraussetzung ist nur, dass sie urheberrechtlich und datenschutzrechtlich unproblematisch sind.

Als weiteres Projekt wollen wir nach dem erfolgreichen Einsatz des Mängelmelders mit der technischen Open311-Schnittstelle den offenen Standard für Anliegen- und Mängelmeldersysteme inhaltlich weiter ausbauen und als Ansprechpartner für andere Kommunen hierfür werben. Die Potenziale für die interne Organisation sind da sehr hoch. Außerdem planen wir ein Projekt zum Thema Mobilität, wobei hier primäre Unterstützung weitere externer Datenbereitsteller notwendig ist. Ich halte aber nicht nur den Fokus auf einzelne Projekte für wichtig. Die Impulse von Initiativen vor Ort, wie der Code for de - OK Labs, sind ebenso wichtig und können als Treiber für die Thematik insgesamt wirken.

Wie bekommen Sie ein Gefühl für den Bedarf der Nutzerinnen und Nutzer?

Das sind mehrere Komponenten. Als tagesaktuelle Information setzen wir das Datenmonitoring, unser OGD Cockpit ein, welches einen öffentlichen und aktuellen Überblick über Datensatzwünsche und Umsetzungstand gibt. Feedbackmöglichkeiten bestehen über das Open Data Portal bis hin zum Twitteraccount. Wir werden außerdem unter Bürgerinnen und Bürgern eine dritte Online-Umfragerunde für Datensatzwünsche  starten. Mit dem OK Lab Bonn der Initiative Code for Germany gibt es einen persönlichen Austausch und wir stehen dort als Ansprechpartner bei der Anwendungsentwicklung zur Verfügung.

Worauf sind Sie besonders stolz?

Im Austausch zu Open Data treffe ich auf tolle Menschen, die versuchen, mit den verfügbaren Mitteln Open Government weiter zu entwickeln. Ich erlebe eine einzigartige Mischung von verwaltungsinternen Entwicklungen und konkreter interkommunaler Zusammenarbeit mit der Stadt Köln, dem IT-Dienstleister KDN, einem Austausch mit den Städten Aachen und Moers, der kommunalen Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement (KGSt), dem Land Nordrhein-Westfalen und dem Bundesportal Govdata. Besonders gern denke ich auch an die gemeinsame erste Produktsetzung des OGD Cockpits mit dem Zentrum für Verwaltungsforschung Wien (KDZ). Außerdem begeistert mich immer wieder das unglaubliche bürgerschaftliche Engagement und Know How von Initiativen wie dem OK Lab Bonn. Ich freue mich, in einer solchen Umgebung Open Government weiter entwickeln zu dürfen. Es macht Spaß und ist etwas Besonderes.

Welche Fehler haben Sie gemacht? Was würden Sie heute anders machen?

Open Data war zu Beginn und ist auch heute noch kein Selbstläufer. Eine Schwierigkeit bestand seinerzeit darin, einen gemeinsamen Einstieg in die Thematik zu bekommen, welche in einigen Themengebieten Kompromisse bedeutete und von einzelnen Akteuren auch Konsensbereitschaft erforderte. Generell ist zu berücksichtigen, dass Open Data als freiwillige Leistung nur bedingt dazu geeignet ist, behördliche Strukturen zu ändern oder Veränderungsprozesse zu initiieren. Da muss sich die Verwaltung auch selbst erst positionieren. Open Data muss als stetiger Prozess für die nächsten Jahrzehnte betrachtet werden und nicht als Kurzsprint, der eine vollständige Umsetzung innerhalb weniger Monate zum Ziel hat. IT-Technik, Organisation und Finanzierung bedarf mitunter großer Anpassungen.

Es wäre zu Beginn vielleicht hilfreicher gewesen, wenn wir die Rahmenbedingungen aufgezeigt und die Erwartungshaltung diskutiert hätten. Andererseits können durch Einzelprojekte oder durch die Öffentlichkeit dynamische Prozesse entfaltet werden, die Open Data schnell voran bringen. Franz-Reinhard Habbel vom Deutschen Städte- und Gemeindebund spricht dabei von dem Mut zur Veränderung und Schaffung von Ermöglichungsräumen. Ich schließe mich da an, auch wenn vielleicht nicht alle Bemühungen direkt erfolgreich sind. Letztlich ist nur ein auf Dauer angelegter Umsetzungsprozess sinnvoll und muss nach meiner Auffassung ein gemeinsames Ziel von Verwaltung, Politik und Öffentlichkeit sein. Getrennt oder gegeneinander zu arbeiten erzeugt Frustration und Überforderung der Teilnehmenden und kann unter Umständen alle Open Data-Aktivitäten gefährden.

In welcher Form tauschen Sie sich mit anderen Open Data Kommunen aus?

Wir tauschen uns innerhalb des Erprobungsraumes Rheinland, der KDN und dem Innovationszirkel Open Data der kommunalen Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement (KGSt) mit anderen Kommunen aus. Zudem sind wir im engen Austausch mit der Stadt Köln, welche das DKAN Portal für Bonn in der interkommunalen Zusammenarbeit „Erprobungsraum Rheinland“ technisch bereitstellt.

Welche Tipps haben Sie für Kommunen, die auch gern mit einem Open Government Portal starten wollen?

Das hängt natürlich sehr stark davon ab, ob es von Seiten der Politik und der Verwaltungsspitze Unterstützung gibt, welche personellen und finanziellen Ressourcen vorhanden sind und in welchem Umfang Daten freigegeben werden sollen.
Da kann für den Anfang ein Open Data Lizenztext im eigenen Internetangebot, ohne weitere personelle oder finanzielle Aufwände, vollkommen ausreichen. Bei Fotos auf Webseiten ist das beispielsweise schon heute gängige Praxis. Mittlerweile gibt es für Open Data Portale auch technische Hostinglösungen, kommunale Kooperationen, Open Data Portale als Open Source-Angebote oder die Möglichkeit eigene Datenbestände auf fremden Open Data Portalen zu veröffentlichen. Es muss nicht unbedingt ein eigenes Portal installiert werden, kann aber, je nach Gegebenheiten vor Ort, langfristig sinnvoll sein. Wir haben als Hilfestellung auf unserem Portal eine Linksammlung mit Basisinformationen für Open Data  zusammengefasst. Bei Fragen stehen wir gerne auch persönlich zur Verfügung.
 

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