Open Data für meine Stadt: Köln

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Mittwoch, 13. Mai 2015

Open Data für meine Stadt: Köln

Serie: Die Open Government Strategien der Kommunen in NRW

Wo finde ich barrierefreie Parkplätze, wie viele Sportplätze gibt es und welche Vornamen sind in meiner Stadt der Renner? Viele spannende Daten werden von den Kommunen gesammelt und immer mehr Städte bieten diese Daten als Open Data an. In unserer Serie stellen wir sie vor: die Open Data Vorreiter.

Köln ist eine der ersten Open Data Kommunen in Nordrhein-Westfalen. Bereits 2012 wurde das Portal „Offene Daten Köln“ freigeschaltet. Alles begann damit, dass Marian Steinbach von „Politik bei uns“ das Ratsinformationssystem der Stadt „geöffnet“  hat. Nach anfänglicher Irritation kam die Verwaltung mit dem Aktivisten ins Gespräch und stellte fest, wie wertvoll offene Daten für die sogenannte Community und die ganze Gesellschaft sind. Es folgte eine Studie zu Hintergrund und Nutzen von Open Data und bald darauf konnte das Portal an den Start gehen. Mittlerweile steht ein vierköpfiges Team dahinter, das sich mit Begeisterung und Leidenschaft für alle Open Government Bereiche einsetzt. Ein Interview mit Dirk Blauhut, dem Abteilungsleiter eGovernment der Stadt Köln:

Warum haben Sie sich als Kommune zu Open Government bekannt?

Der Anspruch der Bürgerinnen und Bürger an eine moderne Verwaltung wächst. Um diesem Anspruch Rechnung zu tragen, öffnen wir uns. Wir wollen durch ein Mehr an Transparenz, Teilhabe und Zusammenarbeit zu einem Mehr an Innovation und damit zu einer Stärkung gemeinschaftlicher Belange kommen. Dies haben wir explizit in unserem vom Rat beschlossenen Konzept zur Internetstadt festgeschrieben.
Kommunen wie Köln sind reich an Daten, die von Verwaltungen erzeugt oder verarbeitet werden. Mithilfe unseres Konzepts zur Internetstadt wird dieser Informationsschatz einer breiten Öffentlichkeit zur Weiterverwendung angeboten. Damit erhöhen sich Transparenz und Effizienz der Verwaltung und neue Geschäftsmodelle werden ermöglicht. Außerdem kann damit die Teilhabe von Bürgerinnen und Bürgern an politischen Prozessen gestärkt werden. Es gibt bei immer mehr Internetteilnehmern das Bedürfnis sich auszutauschen, Gleichgesinnte zu finden und an gemeinsamen Projekten mitzuwirken. Das sich daraus ergebende Potential wollen wir nutzen.

Welche Strategie verfolgen Sie (mit Ihrem Portal)?

Grundlegend ist unser Portal „Offene Daten Köln“ der nach Außen hin sichtbare Anteil unserer Initiative, die Verwaltung zu verändern und den potentiellen Nutzern einen ersten Anlaufpunkt in Sachen Open Government der Stadt zu bieten. Hier können sich alle interessierten Gruppen informieren aber auch mit uns interagieren. Man kann Daten anfragen, mit uns über bestehende Datensätze kommunizieren und auch eigene Lösungen vorstellen.
Im Bereich elektronischer Beteiligungsverfahren gehört Köln nach wie vor deutschlandweit zu den führenden Akteuren. Neben dem international prämierten Kölner Bürgerhaushalt hat auch die Umsetzung der 1. Stufe der Lärmaktionsplanung nach EU-Vorschriften ein nachhaltiges Ergebnis erzielt. Die Anforderungen an die Gestaltung wirksamer Bürgerbeteiligungsverfahren sind wahrnehmbar gestiegen. Breite, frühzeitige Information (sowohl on- als auch offline) und die Konsultation der Bürgerschaft führen zu einer breiteren, versachlichten und stadtweiten Diskussion strategischer Infrastruktur-Projekte. Information und Konsultation bedingen aber auch die Offenlegung von Rohdaten. Nur wo Daten zur Verfügung stehen, ist eine neutrale Information gewährleistet. Die Vermittlung dieser Informationen findet dabei auch unter Einbeziehung von sozialen Medien wie Twitter und Facebook statt.

Wie bekommen Sie ein Gefühl für den Bedarf der Nutzerinnen und Nutzer des Portals?

Ursprünglich sind wir davon ausgegangen, dass wir mit unserem Portal vorrangig die „Datenaktivisten“ erreichen. Je länger wir aber online sind, desto mehr bemerken wir, dass auch eine interessierte Öffentlichkeit das Portal als Startpunkt versteht, sich intensiver mit offenen Daten auseinanderzusetzen.
Uns ist es wichtig, mit unseren Nutzerinnen und Nutzern und auch mit weiteren potentiellen Datenlieferanten ins Gespräch zu kommen. Sowohl auf der Plattform als auch über soziale Medien laden wir zur Interaktion ein und bemühen uns, Feedbackanfragen strukturiert und schnell zu beantworten. Noch wichtiger als der technologische Ansatz ist uns aber das persönliche Gespräch. Deshalb beteiligen wir uns an regelmäßigen Anwendertreffen, die wir im Voraus auf dem Portal ankündigen.

Worauf sind Sie besonders stolz?

Anfangs waren die Kontaktaufnahmen zu den so genannten „Datenaktivisten“ von beiderseitigen Vorbehalten und Zurückhaltung geprägt. Mittlerweile dürfen wir uns aber als Teil einer äußerst lebendigen und kreativen Community begreifen. Durch eine offene Kommunikation und einen ehrlichen Umgang miteinander profitieren beide Seiten von dem Projekt. Wir bekommen tollen Input und werden lebhaft in bestehende Diskussionen eingebunden. Unser Netzwerk wächst und das kommt auch der internen Arbeit zugute: sei es durch neue Ideen oder aber auch durch technologische Lösungsansätze, die uns unbekannt waren und die uns manchmal sogar beim „Sparen“ helfen.
Unsere Portallösung, die auf der freien CMS Software Drupal und dem Projekt DKAN basiert, wird seit Anfang des Jahres als Open-Source zur freien Verfügung gestellt.

Mit der Veröffentlichung auf GitHub verfolgen wir  auch weiterhin unseren konsequenten Weg der kollaborativen Entwicklung von Open Government Anwendungen. Die Nutzung von GitHub ist eine explizite Einladung an Interessierte, das Portal weiterzuentwickeln und mit Funktionen anzureichern, die maßgeschneidert die Bedürfnisse zukünftiger Nutzerinnen und Nutzer berücksichtigen.  
Mein Highlight ist und bleibt ein toller Hackday in Köln, bei dem wir gemeinsam mit unseren Codeaktivisten von der Open Knowledge Foundation und der KölnAPI und dem CoderDojo sowie interessierten Eltern und Kindern über die Öffnung unserer Wahldaten für das Thema „Demokratie“ begeistern konnten.

Welche Fehler haben Sie gemacht? Was würden Sie heute anders machen?

Natürlich kann man immer sagen, dass man einige Dinge besser anders gemacht hätte. Im Großen und Ganzen war der Weg, den wir gegangen sind genau der, der zu uns passte und den wir gehen konnten. Das einzige, das ich heute vielleicht anders machen würde, wäre ein früherer Start. Je länger mein Team und ich uns mit der Thematik auseinandersetzen, desto mehr begeistert sie uns und lässt uns unschätzbare Potentiale erwarten.

In welcher Form tauschen Sie sich mit anderen Open Data Kommunen aus?

Köln betreibt seine Open Data Plattform auch für Bonn und diskutiert weitere Anwender. Insofern und auch um das Rad nicht permanent neu erfinden zu müssen, stehen wir in ständigem Austausch zu Kommunen oder behördlichen Einrichtungen im In- und Ausland. Hat man sich einmal auf diesen „Open“ Ansatz eingelassen, fällt es einem auf einmal auch gar nicht mehr schwer, seine Erfahrungen, Ideen und Leidenschaften vorbehaltslos und nicht Interessengesteuert in die Breite zu tragen. Insofern ist Köln hier „open“ und freut sich auf den Austausch!

Welche Tipps haben Sie für Kommunen, die auch gern mit einem Open Government Portal starten wollen?

Die Nachfrage an modernen Möglichkeiten zur Mitsprache, Zusammenarbeit und Integration des Bürgers am Politikentwicklungsprozess steigt stetig. Deshalb nutzen immer mehr öffentliche Institutionen Open Government Plattformen, um das kreative Potential und die Erfahrung der Bürger zu nutzen und in Entscheidungsprozesse zu implementieren.
Mein Tipp: Lassen Sie sich nicht von einzelnen Bedenkenträgern von Ihrer Idee abbringen. Das Potential, welches unter anderem Open Data mit sich bringt, ist für Sie von unschätzbarem Wert. Lassen Sie sich auch nicht auf die unvermeidliche Diskussion mit Gegnern über so genannte noch fehlende „Killer-Apps“ ein. Aus offenen Daten muss nicht immer die alles revolutionierende App hervorgehen, die Milliarden einfährt. Die Möglichkeiten, Ihre Verwaltung mit geringen Mitteln neu aufzustellen und transparent zu machen, überwiegen den Nutzen jeglicher potentieller App.
Last but not least: Man braucht nicht gleich ein eigenes Portal – gerade für kleinere Kommunen ist es sicherlich leichter, zunächst mit ein paar ersten offenen Daten auf der Homepage starten.

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