Open Data für meine Stadt: Moers

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Dienstag, 2. Juni 2015

Open Data für meine Stadt: Moers

Serie: Die Open Government Strategien der Kommunen in NRW

Wo finde ich barrierefreie Parkplätze, wie viele Sportplätze gibt es und welche Vornamen sind in meiner Stadt der Renner? Viele spannende Daten werden von den Kommunen gesammelt und immer mehr Städte bieten diese Daten als Open Data an. In unserer Serie stellen wir sie vor: die Open Data Vorreiter.

Claus Arndt vergleicht seine Stadt gern mit dem kleinen gallischen Dorf, das Widerstand leistet. In einem Land, in dem Open Government quasi noch in den Kinderschuhen steckt, ist es tatsächlich sehr außergewöhnlich, dass eine so kleine Kommune sich so aktiv für diese Themen einsetzt. Schon Anfang 2013 hat der Verwaltungsvorstand beschlossen, dass die Stadt Moers ihre Datenschränke öffnet und sich am Bundesportal GovData beteiligt, rund zwei Wochen später – am 15. Februar 2013 - ist Offene Daten Moers gestartet. Dahinter stehen Claus Arndt, der Referent des Bürgermeisters für E-Government zusammen mit dem Team aus der zentralen Internetredaktion, die in ständigem Austausch mit Mitarbeitenden aus allen Bereichen der Verwaltung Datensätze veröffentlichen. Unterstützt wird das Open Data Team auch immer wieder von Studierenden der Hochschule Rhein-Waal, Studiengang E-Government. Claus Arndt im Interview:

Warum haben Sie sich als Kommune zu Open Government bekannt?

Man könnte sagen, dass die Stadt Moers seit der ersten kommunalen Website den Kulturwandel hin zu einer offenen und dialogbereiten Verwaltung „trainiert“: Gästebuch, Internetforen, E-Partizipationsangebote und soziale Netzwerke standen auf dem Trainingsplan der letzten Jahre. So konnte die vorerst letzte Hürde mit einer gewissen Leichtigkeit übersprungen und der Paradigmenwechsel hin zur Befreiung unserer Daten vollzogen werden. Entscheidend waren dabei die vielen positiven Erfahrungen, die wir in der ganzen Zeit sammeln konnten und die uns und der Verwaltungsspitze Mut gemacht haben, dass wir auf einem richtigen Weg sind.

Welche Strategie verfolgen Sie?

Mit Open Data soll ein gesellschaftlicher Mehrwert erzeugt werden. Das ist der Traum. An diesem Traum möchten wir mitwirken! Es ist jedoch wichtig zu verstehen, dass sich nicht nur die Verwaltungen erst am Anfang einer Bewegung befinden, sondern auch alle anderen wichtigen Akteure ihre Findungsphase bei diesem recht jungen Thema noch nicht abgeschlossen haben: Die vielbeschworene „Community“ etabliert sich gerade Zug um Zug, zum Beispiel in den Code for Germany Labs. Wirtschaft, Wissenschaft und Bildungssektor als Zielbereiche von Open Data beteiligen sich noch kaum an der aktuellen Diskussion. Insofern ist es uns ein wichtiges Anliegen, nicht nur Daten möglichst umfassend bereitzustellen, sondern auch aktiv an der Debatte rund um offene Daten teilzunehmen und - zum Beispiel über unser Schulprojekt – einen Beitrag dafür zu leisten, den Nutzen von Open Data abseits von App-Entwicklungen und Datenvisualisierungen aufzuzeigen.
Darüber hinaus war und ist es auch wichtig, in einer relativ kleinen Stadt wie Moers, die zudem kein Hochschulstandort ist, die Idee von Open Data in der Stadtgesellschaft zu etablieren und eine lokale beziehungsweise regionale Community aufzubauen. Deshalb haben wir Ende März mit freundlicher und tatkräftiger Unterstützung der Bertelsmann Stiftung einen zweitägigen Hackday veranstaltet.

Wie bekommen Sie ein Gefühl für den Bedarf der Nutzerinnen und Nutzer des Portals?

Das wichtigste Instrument ist unser Twitterkanal, über den wir eine rege Kommunikation mit der Community pflegen. Hier werden nicht nur Infos ausgetauscht, sondern auch Datenwünsche artikuliert oder technische Fragen abgestimmt. Details klären wir dann oft auf klassischem Weg per E-Mail. Auch ein Formular für Datensatzwünsche haben wir in unser Angebot integriert, aber auf Twitter ist die Resonanz größer. Darüber hinaus suchen wir auf Veranstaltungen immer wieder auch den persönlichen Kontakt zur Open Data-Szene.

Worauf sind Sie besonders stolz?

Stolz ist ein schwieriger Begriff, aber es gibt einige Dinge, über die wir uns sehr freuen. An erster Stelle ist hier sicherlich das Projekt „Open Data und Schule“ zu nennen, bei dem wir gemeinsam mit Studierenden der Hochschule Rhein-Waal und dem Moerser Gymnasium Adolfinum versucht haben, den Nutzen offener Daten für den Unterricht zu belegen. Dank der tollen Unterstützung des Lehrers Thomas Nolte konnten wir in zahlreichen Unterrichtsbesuchen zu spannenden Erkenntnissen kommen, die demnächst in ein Vorgehensmodell einfließen sollen.
Auch die erstaunliche Resonanz auf unseren Hackday und die schönen Ergebnisse bis hin zur Gründung eines Code for Niederrhein Lab haben uns extrem gefreut.

Welche Fehler haben Sie gemacht? Was würden Sie heute anders machen?

Große Fehler kann ich nicht erkennen. Wir hatten und haben bei dem Projekt eigentlich durchweg ein gutes Gefühl. Allerdings würden wir beim nächsten Hackday stärker auf Diversität achten und versuchen, insbesondere mehr Hackerinnen, aber auch ältere und ganz junge Menschen für das Event zu begeistern.  

In welcher Form tauschen Sie sich mit anderen Open Data Kommunen aus?

Der Austausch mit den anderen Kommunen funktioniert deutschlandweit und sogar grenzüberschreitend ganz wunderbar! Wir nutzen dafür in hohem Maße Twitter und Facebook, treffen uns aber immer wieder auch persönlich. Einen guten Rahmen bietet der Innovationszirkel Open Data-Cities der Kommunalen Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement (KGSt), der im Mai in Hamburg getagt und spannende Erkenntnisse gebracht hat. Auch im Kommunalen Rechenzentrum Niederrhein existiert eine Arbeitsgruppe Open Data. Es gibt aber auch immer wieder informelle Treffen oder Begegnungen am Rande von Tagungen und anderen Veranstaltungen.
Hervorzuheben ist sicherlich der Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen aus Köln, Bonn, Ulm und Freiburg, der auch persönlich immer wieder sehr erfrischend ist.

Welche Tipps haben Sie für Kommunen, die auch gern mit einem Open Government Portal starten wollen?

Man kann sich gut an anderen Kommunen orientieren, die bereits länger dabei sind. Keine Scheu: Alle helfen Neueinsteigern gerne! Es gibt auch gute Leitfäden im Web, an denen man sich orientieren kann, zum Beispiel das Vorgehensmodell des Zentrums für Verwaltungsforschung (KDZ) oder das Positionspapier der Kommunalen Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement, Vitako und dem Deutschen Städte- und Gemeindebund.
Wichtig ist, dass man nicht nur im stillen Kämmerchen Open Data betreibt, sondern sich mit Interessierten austauscht und eine aktive Kommunikation zum Beispiel über Twitter betreibt.

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