„Open.NRW ist viel mehr als nur ein Internetportal“

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Donnerstag, 16. Juli 2015

„Open.NRW ist viel mehr als nur ein Internetportal“

Interview mit Christian Dinnus, Leiter der Geschäftsstelle Open.NRW

23. Juni 2015, 15.35 Uhr, Düsseldorf, Ministerium für Inneres und Kommunales. Ein Blick in die Geschäftsstelle Open.NRW: Christian Dinnus telefoniert mit Sven Hense von der Stadt Bonn, deren Open Data-Portal vor kurzem an Open.NRW angeschlossen wurde.

Die Geschäftsstelle Open.NRW wurde mit der Verabschiedung der Open Government-Strategie im Mai 2014 ins Leben gerufen. Sie ist bei Hartmut Beuß, dem Beauftragten der Landesregierung für Informationstechnik (CIO), angesiedelt. Christian Dinnus leitet die Geschäftsstelle und ist seit der ersten Stunde dabei. Was die Aufgaben der Geschäftsstelle Open.NRW sind, wie das Land bei der Umsetzung der Open.NRW-Strategie organisiert ist und was sein persönliches Highlight in den vergangenen Monaten war, hat er uns im persönlichen Gespräch verraten.
 

Herr Dinnus, am 27. Mai 2014 hat die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen die Open.NRW-Strategie verabschiedet. Welche Rolle spielt dabei die Geschäftsstelle Open.NRW?

„Die Open.NRW-Strategie ist eine Selbstverpflichtung des Landes Nordrhein-Westfalen zu mehr Transparenz, Beteiligung und Zusammenarbeit. Bei der Umsetzung setzt jedes Ministerium eigene inhaltliche Schwerpunkte. Die Open.NRW-Ansprechpartner in den Ministerien koordinieren die Realisierung vor Ort.

Die Open.NRW-Geschäftsstelle ist als eine Art Katalysator zu verstehen. Zusammen mit den Open.NRW-Ansprechpartnern entwickeln wir ein gemeinsames Verständnis, einheitliche Standards und Vorgehensweisen. Darüber hinaus koordinieren wir die Zusammenarbeit mit dem Bund und den Kommunen in NRW und kümmern uns um die Öffentlichkeitsarbeit und das Open.NRW-Portal.“

Wenn Sie von „wir“ sprechen: wer ist Teil der Geschäftsstelle Open.NRW?

„Zurzeit sind wir zu dritt. Jeder von uns hat einen anderen Schwerpunkt: Björn Fleischer kümmert sich inhaltlich um die Themen Partizipation und Zusammenarbeit, Katharina Matzke ist unsere Online-Redakteurin und betreut das Open.NRW-Portal redaktionell. Ich selbst leite die Geschäftsstelle und kümmere mich in erster Linie um die übergreifende Zusammenarbeit mit dem Bund, den NRW-Ministerien und den Kommunen in NRW. Wir hoffen, dass unser Team zeitnah Zuwachs bekommt und wir noch einen Experten für das Thema Open Data gewinnen können.“

Was ist Open.NRW eigentlich?

„Open.NRW ist viel mehr als nur ein Internetportal. Unser Ziel ist es, einen Kulturwandel anzustoßen. Sabine Möwes von der Stadt Köln hat es vor kurzem prägnant ausgedrückt: „Open Data ist eine Haltung“. Aber Open.NRW ist mehr als Open Data; Transparenz ist zunächst nur der erste Schritt. Denn wir wollen Bürgerinnen und Bürger vermehrt an der politischen Entwicklung des Landes teilhaben lassen. So läuft derzeit zum Beispiel die Online-Beteiligung zum neuen E-Government-Gesetz. Die dritte Säule der Open.NRW-Strategie ‚Zusammenarbeit‘ soll Bürgerinnen und Bürger künftig verstärkt in Verwaltungsprozesse einbinden, wie es beispielweise schon seit langem beim Expertennetzwerk zum Arbeitsschutz praktiziert wird.

Diese Öffnung der Verwaltung in NRW hin zu mehr Transparenz, Teilhabe und Zusammenarbeit soll normaler Alltag im Arbeitsleben der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Landesverwaltung sein. Die ersten Schritte auf diesem Weg sind gemacht und darauf wollen wir weiter aufbauen.“

Wenn Sie zurückblicken auf die vergangenen Monate: Was war Ihr Highlight? Worüber haben Sie sich persönlich am meisten gefreut?

„Für mich war das der Start des Open.NRW-Portals. Bei der feierlichen Freischaltung am 16. März waren über 70 Interessierte aus vielen verschiedenen Bereichen mit dabei: Eine bunte Mischung aus Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Zivilgesellschaft, Wirtschaft, Verwaltung und Wissenschaft. Eine tolle Resonanz! Darüber haben wir uns alle hier in der Geschäftsstelle sehr gefreut, insbesondere über die vielen hilfreichen Ideen, die uns an diesem Tag erreicht haben. Wir haben uns intensiv ausgetauscht und am Ende viel Feedback zur Verbesserung des Open.NRW-Portals bekommen. Der Fortschritt der Umsetzung ist natürlich transparent auf dem Open.NRW-Portal sichtbar.“

Gab es zum Start des Portals auch Reaktionen aus der Open Data-Szene?

„Eine Menge! Mit so großem Zuspruch der Öffentlichkeit hatten wir - ehrlich gesagt - nicht gerechnet. Ich erinnere mich bis heute noch genau an den Moment, als ich den Tweet von Matthias Schindler von der Wikimedia Foundation gelesen habe: „Ein Open Data-Portal, das aus Open Data besteht. Dass ich das noch erleben darf. Danke, NRW.“ Genau diese Reaktionen zeigen uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind.“

Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit den Kommunen in NRW?

„Ausgesprochen positiv! Wir arbeiten viel mit den kommunalen Vorreitern in NRW zusammen. So haben wir zum Beispiel im Juni die Open Data-Portale aus Köln und Bonn an das Open.NRW-Portal angebunden. Regelmäßig tauschen wir uns offen und konstruktiv aus. Wir helfen uns gegenseitig. Außerdem erarbeiten wir mit den kommunalen Spitzenverbänden und dem Dachverband der kommunalen IT-Dienstleister eine Rahmenvereinbarung zum Open Government in NRW. Diese wollen wir noch in diesem Jahr erstellen. Über den Fortschritt dieser Arbeitsgruppe werde ich auf dem Open.NRW-Portal zu einem späteren Zeitpunkt berichten.“

Was ist zurzeit die größte Herausforderung?

„Im Moment arbeiten wir intensiv daran, das Portal um weitere Datensätze zu erweitern. Damit das gelingt, unterstützen wir die Open.NRW-Ansprechpartner in den Ministerien dabei, Projekte zu identifizieren und zu definieren. Es sind viele gute Ideen entstanden, die nun Stück für Stück umgesetzt werden. Aus meiner Sicht müssen wir dabei das größte Augenmerk darauf legen, dass die unterschiedlichen Kulturen und Arbeitsweisen in den Ressorts und Fachbereichen berücksichtigt werden. Auch die Voraussetzungen sind in jedem Ministerium anders. So haben einige bereits zahlreiche Daten in der Form vorliegen, wie wir sie benötigen. Andere sind im Bereich Partizipation schon sehr aktiv. Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter engagieren sich für Open.NRW – eine große Herausforderung für alle Seiten, die wir aber sicherlich meistern werden. Auch hier sind wir als Ansprechpartner und helfende Hand für die Ressorts da.“

Können Sie ein paar Projekte nennen, die Sie gerade auf den Weg bringen?

„Wir sind dabei, das Geoportal des Landes NRW technisch an das Open.NRW-Portal anzubinden und insbesondere die Fachdaten aus dem Umweltbereich als Open Data verfügbar zu machen. Infrastrukturdaten aus dem Verkehrsbereich und dynamische Verkehrsdaten stehen ebenfalls auf unserer Agenda. Neben den handfesten Projekten haben wir aber auch noch einige rechtliche Vorarbeiten zu leisten. So müssen wir beispielsweise den Umgang mit Daten, die an das Land geliefert werden, rechtlich klären.“

Wie würden Sie generell Ihre Open Data-Strategie beschreiben?

„Kurz gesagt lautet unser Motto „Wir wollen Systeme anbinden und keine Schreibtische“. Damit ist gemeint, dass vorhandene Datenbanken und Portale offene Daten automatisiert über Schnittstellen an das Open.NRW-Portal liefern. Das sorgt für eine hohe Anzahl an Daten, eine konstante Datenqualität und für Akzeptanz innerhalb der Verwaltung. Denn Open.NRW ist für alle Beteiligten zunächst einmal Mehrarbeit. Durch die Automatisierung muss diese zusätzliche Arbeit nur einmal investiert werden und nicht dauerhaft.“

Wie geht es dann weiter? Wo sehen Sie das Portal in einem Jahr?

„Da wir uns jetzt, in der ersten Phase, vor allem auf die Säule ‚Open-Data‘ konzentrieren, wird der Umfang der Daten in den kommenden Monaten deutlich zunehmen. In einem Jahr werden wir sicherlich auch mehr Angebote in den Bereichen Partizipation und Zusammenarbeit anbieten können. Dafür schaffen wir bis Ende des Jahres die Voraussetzungen und schließen erste Pilotprojekte ab.“

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten…

„… dann würde ich mir wünschen, dass mit den Daten, die wir auf dem Open.NRW-Portal veröffentlichen, Anwendungen entstehen. Gerade für App-Entwickler, Softwareunternehmen, Wissenschaftler und Daten-Journalisten stehen auf dem Portal viele interessante und nützliche Daten zur Verfügung. Anwenderfreundlich aufbereitet wären sie sicherlich für viele Menschen in NRW eine tolle Information und Hilfe. Vielleicht gibt es sogar schon die eine oder andere App. Das, zu wissen und live zu sehen, wäre natürlich fantastisch. Daher ein kleiner Aufruf in eigener Sache: Wer etwas in diese Richtung plant oder vielleicht sogar schon umgesetzt hat, kann sich gerne bei uns melden: kontakt@open.nrw.de!“
„Es gibt zurzeit zwei Möglichkeiten, sich über Neuigkeiten zu informieren. Zum einen können sich Interessierte einen RSS-Feed einrichten. Das geht ganz einfach auf Open.NRW, indem sie oben rechts in der Navigation auf den orange-farbigen RSS-Feed-Button klicken. Sobald es etwas Neues auf dem Portal gibt, erhalten sie dann ein Update. Oder sie können unserem Twitter-Account @OpenNRW folgen. Dort zwitschern wir regelmäßig über Aktuelles rund um das Thema Open Government. Wir freuen uns immer, neue ‚Follower‘ zu begrüßen.“

Vielen Dank für das Gespräch!

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