„Wir krempeln die Ärmel hoch und versorgen NRW“

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Donnerstag, 27. Juli 2017

„Wir krempeln die Ärmel hoch und versorgen NRW“

Wie offene (Geo)Daten in NRW zum digitalen Standortvorteil werden können

Seit Januar 2017 sind die digitalen Geobasisdaten des Landes Nordrhein-Westfalen kostenfrei verfügbar. Seit April 2017 nun auch die digitalen Geofachdaten. Zusammen mit den übrigen Daten des Open.NRW Portals entsteht so ein spannendes Bild über Nordrhein-Westfalen durch hochauflösende Luftbilder, Karten von Straßen und Grundstücken und die digitale Darstellung ganzer Landschaften. Aber für wen sind die Daten von besonderer Bedeutung und wie werden die Daten eigentlich wirtschaftlich genutzt? Wir haben bei Herrn Dr. Lange von EOproc nachgefragt.

Das Internet und der Zugang zu mobilen Daten ist heute eine Selbstverständlichkeit. Ist der Handy-Akku einmal leer, suchen wir alle angespannt nach der nächsten Steckdose. Um die Versorgung von Mobilfunk überall zu gewährleisten und sowohl in den Ballungsräumen, als auch auf dem Land weiterauszubauen, benötigt es viele Plandaten, eben Geobasis- und fachdaten. Die Daten liefern aufbereitet und interpretiert die Grundlage für eine Menge Aussagen über NRW, in diesem Fall über die Möglichkeiten zur Versorgung von Mobilfunk.

EOproc bietet genau diese automatischen Datenabfragen für Mobilfunkanbieter: „Wir bieten Services an, die es ermöglichen, Funknetze zu planen“, so Herr Dr. Lange. Dies sind beispielsweise Fragen wie: „Welche Geodaten sind weltweit für einen Ort und eine bestimmte Zeit verfügbar? Unsere Services ermöglichen es, mit diesen Daten Mobilfunknetze optimal zu planen, und die ständig steigenden Qualitäts- und Kapazitätsanforderungen zu bewältigen“.

Mit der Taschenlampe auf die Richtfunkantenne?

Hier kommen offene Daten ins Spiel. Mit Hilfe der digitalen Geobasisdaten und insbesondere der digitalen Geländemodelle kann besser geplant werden. Insbesondere können geeignete Stellen zum Ausbau einer Richtfunkstrecke zwischen einzelnen Rundfunkantennen leichter identifiziert werden, ohne langwierige und zeitraubende Messungen vor Ort durchführen zu müssen. Eine konventionelle Planung, ohne ausreichend Daten, konnte mitunter schon einmal bedeuten, dass zwei Funkplaner auf jeweils eine Antenne hochklettern und mit Hilfe von Taschenlampe und Feldstecher Sichtkontakt herstellen müssen. Das Wetter mußte dann auch noch mitspielen.
Mit Geländemodellen kann diese Planung direkt am PC durchgeführt werden. Hierzu werden Geländemodelle benötigt, die Aufschluss über die Topographie geben und Informationen bieten, ob ein Kirchturm oder eventuell Bäume die Sicht versperren. So können geeignete Standorte für neue Antennen identifiziert werden.

Wir planen in NRW so, wie wir schon immer planen wollten.

Die Gesamtheit der Richtfunkverbindungen bildet eine Art Spinnennetz, das die Mobilversorgung in den einzelnen Gebieten abdeckt. „Der Zugang zu Daten und zum Telefon über Mobilservices hat an Wichtigkeit stark zugenommen“, so Herr Dr. Lange. Die urbanen Gegenden seien bereits besser versorgt, als die ländlichen Regionen. Aber auch die Versorgung in kleineren oder mittleren Städten muss weiter ausgebaut werden. Dies führt dank der Daten nun dazu, dass „wir in NRW jetzt so planen können, wie wir schon immer planen wollten“, so Dr. Lange weiter. 
Mittlerweile tauschen die Richtfunkantennen untereinander eine sehr hohe Menge von Daten aus. Diese müssen anschließend verarbeitet werden. Dabei spielen die Daten des Telefonierens nur noch eine kleine Rolle, mobile Anwendungen wie bspw. Kartendienste erhöhen die Datenmengen. Durch die offenen Daten werden die vorhandenen Ressourcen bei EOproc nun nicht zusätzlich in die Besorgung der Daten gesteckt, sondern allein in die Aufbereitung. Im Ergebnis führt es dazu, dass große Mobilprovider auf Anbieter wie EOproc zurückgreifen können und somit eine bessere Abdeckung und Versorgung des Mobilfunks erreicht wird.

Und bevor es die offenen Daten in NRW gab?

Früher mussten die Daten von anderen Anbietern, teilweise aus den USA, bezogen werden oder bei den Landesvermessungsämtern gegen Gebühr eingekauft werden. Da für die Planung von Mobilfunknetzen große Mengen an Geodaten notwendig sind, war eine regelmässige Beschaffung im Allgemeinen zu kostspielig. Dies führte häufig dazu, dass die Datengrundlage nicht aktuell war, sondern eher vor mehr als zehn Jahren erfasst worden war. Auch hatte man kein gesamtes Netz an Daten einzelner Gebiete zur Hand, sondern nur lückenhaft kleine Stücke. „Wir konzentrieren unsere Arbeit nun ganz klar auf NRW!“ sagt Herr Dr. Lange.
Aber nicht nur für Telekomversorger sind die offenen Daten interessant. Geobasis- und fachdaten finden insbesondere auch ihren Einsatz beim Wasserschutz, für die Trassenplanung und die generelle Stadtentwicklung.

Autor: Marie Jansen
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